Die Gefangenenhilfe Gott und die Welt entstand 1993 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bochum-Langendreer durch den Wunsch von Häftlingen, sich zu treffen und über Glaubensfragen zu reden.
Aus diesen Treffen im Gefängnisbüro entstand ein regelmäßiger Gesprächskreis, der sich selbst den Namen Gott und die Welt gab, da über alle Lebensbereiche offen und vertraulich geredet werden konnte.
Heute betreuen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gefangene in der JVA Bochum-Langendreer und im Fall einer Verlegung auch in anderen Haftanstalten in NRW. Unsere Miterarbeiterinnen und Mitarbeiter verstehen Betreuung umfassend und möchten dem Gefangenen und seinen Angehörigen, so gut sie es vermögen, eine Hilfe sein, sich in einem guten Sinn neu zu orientieren. Hierzu gehören eine Gruppen- und Kirchengemeinde-Anbindung für die Zeit der Inhaftierung, Einzelgespräche, Betreuung nach der Haftentlassung, Gespräche mit Angehörigen und eine sinnvolle Freizeitgestaltung.
„1995 wurde ich wegen Raub für 3 ½ Jahre eingesperrt. 1996 kam ich in den offenen Vollzug in die JVA Bochum-Langendreer, um dort meine Ausbildung zum Landschaftsgärtner zu beginnen. Nach ein paar Wochen kannte ich einige Mithäftlinge, die von einer Gruppe „Gott und die Welt“ erzählten. Um etwas Abwechslung in den Haftalltag zu bringen, beschloss ich daran teilzunehmen. Dort lernte ich dann Bernd Lehmann kennen. Auf den ersten Blick war es nur ein Treffen bei Kaffee und Gebäck mit den unterschiedlichsten Charakteren. Mehr war es am Anfang nicht. Das änderte sich mehr und mehr, je besser ich Bernd kennen gelernt habe und schließlich Moni und die beiden Kids. Die beiden, Moni und Bernd, sind uns mit soviel vorurteilsfreier Empathie entgegen gekommen, dass ich gelernt habe, was Nächstenliebe heißt.
Ich habe mich von den beiden verstanden und gut aufgehoben gefühlt und noch so vieles mehr. Das war damals so und ist noch heute so. Die beiden gehören zu den besten Menschen, die ich je kennenlernen durfte. Moni und Bernd haben mir gezeigt, dass ich trotz meiner Vergangenheit und trotz meiner Fehler ein guter Mensch sein kann. Wir haben bis heute einen innigen Kontakt. Und einen Teil meiner guten Persönlichkeitsseiten verdanke ich dem guten Beispiel der beiden.“
„Als ich in die geschlossene Anstalt kam, fühlte ich mich verloren und depressiv. Ich war multipel drogenabhängig gewesen und nun auf kaltem Entzug, was in mir eine große Unsicherheit auslöste. Nach der Verlegung in den offenen Vollzug lernte ich die Gefangenenhilfe 2002 kennen. Zuerst war ich vorsichtig, mit der Zeit bin ich jedoch zunehmend aufgetaut, Moni und Bernd haben es mit ihrer rücksichtsvollen und zurückhaltenden Art leicht gemacht. Die Gruppe gab mir Halt und hat mir geholfen, enge Glaubenssätze über Gott loszulassen. Meine Familienmitglieder waren emotional nicht in der Lage mich zu besuchen. Hier im Gefängnis erlebte ich zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich wertvoll bin.
Ich habe bis heute die Gewissheit, dass ich mit jeglicher Problemstellung auch nach der Haft noch Ansprechpartner habe und viele weiter soziale Kontakte, die nicht mit Betäubungsmitteln in Verbindung stehen. Ich bin mit Hilfe der Gefangenenhilfe wieder gesellschaftstauglich geworden, ich gehe arbeiten und kann meine Wohnung halten. Ich gebe mich nicht mehr auf, auch wenn ich Rückschläge erleiden muss. Bis zum heutigen Tag habe ich Kontakt zur Gefangenenhilfe und möchte diesen auch nicht missen. Und wenn es nur ein guter Rat ist. Ohne diese Verbindung würde mir ein Stück Sicherheit verloren gehen. Ich weiß Jesus zu jeder Zeit an meiner Seite. Einer der Räuber am Kreuz sprach: „Jesus gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst. Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lukas 23, 42-43)“
„Am Anfang meiner Inhaftierung im geschlossenen Vollzug ging es mir sehr schlecht. Durch Drogenmissbrauch war ich völlig abgemagert, ich hatte Angst und war eingeschüchtert. Als meine Oma erkrankte, konnte ich sie nicht besuchen, bevor sie starb, und ich brach völlig zusammen. Sport half mir langsam Selbstbewusstsein aufzubauen. Ich wurde verlegt in den offenen Vollzug und konnte einen Malerjob ausführen.
Durch einen Mitgefangenen lernte ich die Mitarbeiter*innen der Gefangenenhilfe kennen und besuchte von da an die wöchentliche Gruppe und sonntags die Gottesdienste. Ich hatte in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit dem christlichen Glauben gemacht, war aber fasziniert von Menschen, die ihre Zeit opfern für Menschen, die nichts mehr zählen in der Gesellschaft. Die Meschen hier lebten ihren Glauben und machten sich verletzlich. Das Wertvollste, was ich aus der Gruppe mitgenommen habe, ist die Liebe und Offenheit, Menschen in ihrer fehlerhaften Art anzunehmen und stehenzulassen und nicht durch die „christliche Brille“ zu bewerten und zu korrigieren. Das hat mich bis in die heutige Zeit nachhaltig geprägt und das lebe ich auch so. Heute habe ich eine eigene Maler- und Lackierer-Firma, habe geheiratet und mit meiner Frau eine Familie gegründet, wir haben zwei tolle Kinder.“